Wir sind großartig!

Sarah Brabender und Nessy Karolinger sind groß, lieben Schuhe und finden das großartig.

Nessy und ich sind groß, lieben Schuhe und finden das großartig.

„Helena hat es vermieden, High Heels zu tragen, weil ihr jeder gesagt hat, sie wäre zu groß dafür. Dann hat sie Louboutins anprobiert und will sie seitdem nicht mehr ausziehen.“ Dieses Zitat habe ich auf Facebook gefunden und sofort geteilt, weil es mir aus der Seele gesprochen hat.

Das kenne ich doch aus meiner Jugend!

Denn es erinnert mich doch stark an mich früher und an viele andere große Mädels und Frauen, die ich kenne. Und ich war wohl nicht die einzige, denn dieser Satz fand großen Zuspruch. Das mag daran liegen, dass viele große Frauen zumindest in ihrer Jugend ein schwaches Selbstbewusstsein hatten und teilweise noch im Erwachsenenalter mit ihrer Größe hadern.

Warum das so ist? Was soll ich sagen? Wenn man als Kind von Erwachsenen aggressiv angemeckert wird – sei es, weil man angeblich zu alt ist, um auf Mamas Arm zu sein, oder man beim Gemeindefest bei einem Wurfspiel für einen Lutscher gefälligst hinter die Schulkinderlinie gehen soll – ist das nicht unbedingt förderlich, um sich normal zu fühlen.

Wenn man dann schon in der Grundschule größer als die Lehrerin ist und in die Schuhe der Mutter passt, ist das zum Teil lustig, zum anderen aber auch nicht. “Groß“ bedeutete immer zugleich, dass man ja weiter sein musste als die anderen. Selbständigkeit, Vernunft, gut gelöste Aufgaben und Leistungen galten bei den Lehrern als selbstverständlich. Kleinere, süßere Kinder standen oft unter Welpenschutz, wurden häufig bevorzugt und vor allem öfter gelobt.

Das leidige Thema Kleidung

Wenn man groß ist, sticht man heraus. Wenn man nur kleine und zarte Menschen um sich herum hat, umso mehr und vor allem gefühlt umso mehr. Von Jungs brauche ich gar nicht erst anzufangen, die gingen einem oft nur bis zum Bauchnabel und aufgrund gesellschaftlich vermittelter Normen steht man als Teenagermädchen selten drüber.

Ein weiterer wichtiger Faktor, der uns großen Mädels das Leben schwer macht, ist die Modeindustrie. Jede Frau weiß, wenn sie etwas Tolles anhat, was ihr gut steht, fühlt sie sich selbstbewusst, schön und begehrenswert. Ich weiß, es sind nicht nur große Frauen, die Probleme haben passende und schöne Kleidung zu finden. Aber leider lassen sich Sachen schlecht verlängern und die „ich-bin-hier-und-da-zu-rund“ oder „da-zu-schmal“ – Probleme der anderen kommen noch hinzu.

Ich bin wirklich froh, dass die Oberteilmode etwas länger geworden ist. Als früher kurz und knapp modern war, war das bei mir dann aber mehr als kurz und knapp! Nicht wirklich etwas zum Wohlfühlen und für meinen Figurtyp auch nicht unbedingt vorteilhaft. Neben der Länge bereiten bei Oberteilen auch oft die Brustnähte Probleme. Nein, ich brauche sie nicht direkt unter dem Kinn. Und als ich letztens angesprochen wurde, ich hätte ja ein tolles Oberteil an, bedankte ich mich lachend. Denn es war – das kennen viele große Frauen – eigentlich ein Kleid, aber von uns großen Frauen eben als Oberteil getragen.

Und das Thema Schuhe…

Viel einschneidender ist die Schuhfrage. Seit ich ein Teenager war, verband mich mit Schuhen eine Hassliebe. Man wollte sie lieben, doch man hasste sie, weil es nirgendwo etwas Schönes, Passendes gab. Schöne Schuhe zur Konfirmation? Bezaubernde Tanzschühchen, wie alle Mädels sie zu Tanzschulzeiten mit 14 hatten? Röcke oder Kleider tragen? Oma- und irgendwie damenhaft aussehende Schuhe ließen sich mit viel Aufwand irgendwie organisieren. Darin wohlfühlen und schön aussehen? Fehlanzeige. Meine Mutter besorgte mir mal Herrenlackschuhe mit Schnalle als Schuhe zum Kleid. Sie können sich sicherlich mein begeistertes Gesicht vorstellen und wie oft ich diese trug…

Jetzt mag der ein oder andere sagen, das ist ja alles nicht so optimal, aber große Frauen stechen doch positiv heraus und werden oft geradezu vergöttert! Wie viele kleinere Frauen wünschen sich so groß zu sein und auch mal aus der Masse herauszustechen. Ja, das ist richtig, das ist in der Tat so. Dafür muss es aber erst einmal „Klick“ gemacht haben und man muss erkennen, dass es neben den ganzen negativen Sachen auch sehr schöne gibt. Und es positiv empfinden, wenn man eben auffällt und nicht immer gleich denken: „Oh, Nein! Alle beobachten mich, weil ich unnormal bin und so riesig daher trampele.“

Wir müssen uns einfach wohlfühlen…

Wie geht das am besten? Wenn wir uns wohlfühlen, wenn wir uns so kleiden können wie wir möchten, wenn wir weibliche Schuhe finden, die dem Anlass, unserem Typ und unserer Stimmung entsprechen. Wie oft erlebe ich in meinem Geschäft für große Damenschuhe gestandene Frauen, die ihr erstes richtiges Paar Damenschuhe erstehen und regelrecht aufblühen. Die Gesichter strahlen, die Augen leuchten, die Frauen werden präsent. Denn schöne Schuhe sind auch einfach ein Symbol für Weiblichkeit und verleihen ein gutes Selbstbewusstsein. Auf diese Weise können sich große Frauen endlich frei machen von abfälligen Kommentaren, wie: „Guck mal, die ist aber riesig. Ist das ein Kerl?“ Und auch die wahrnehmen, die sagen: „Wow, was für eine Frau!“

In diesem Sinne liebt Euch so wie ihr seid. Lasst euch von der Gesellschaft und der Industrienorm nichts erzählen, umarmt eure Andersartigkeit und macht sie zur Stärke. Wir sind großartig!

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