Von Stockenten und schrägen Vögeln oder wie ich 2016 meine Flügel wieder ausbreiten werde

Es liegt eine schwere Zeit hinter mir. Gerade noch volle Power voraus und mitten im Leben, dann ruckartig fortschreitende Lähmungserscheinungen und Taubheit von Fuß bis Bein. So schnell konnte ich fast gar nicht gucken, wie ich eine Kanüle im Arm und ein Skalpell im Rücken hatte. Wenn die Bandscheibenvorfälle meinen, schlimmer geht immer, dann hauen sie so richtig auf den Putz, äh auf die Nerven. Ein schöner, äh schmerzfreier Rücken kann auch entzücken. Ich will keine OP, aber alle sagen, es muss sein. Also willige ich ein. Standard OP, 45 Minuten, kurz danach wieder aufstehen und über den Flur tänzeln. „Reha? Sowas brauchen Sie nicht.“ Die Ausfallerscheinungen und Schmerzen sind nach der OP weg. So die Mär und ich glaube es. Doch ich bin keine Disney Prinzessin, eher Donald Duck. Gestatten Stockente vom Dienst.

Zwei große, schwierige Bandscheiben OPs, großer Blutverlust und Verlust von Rückenmarksflüssigkeit, ohne wirklichen Lebensfunken, geistig nicht mehr richtig im nur vegetierenden Körper vorhanden sein, Kreislaufzusammenbrüche, Wundheilungsstörungen nach der 2. OP und durchgehend unendlich starke Schmerzen und eine nicht heilungsfördernde, sondern –feindliche Umgebung, sorgen für einen Monat des Grauens im Krankenhaus.

Unter sehr starken Schmerzen und immer noch mit Ausfallerscheinungen und Taubheit, umkippend und schief verformt werde ich ohne Gehhilfen entlassen. Ich soll ohne. Also höre ich darauf. Kann es aber nicht. Ich kippe und gerate weiter in Schieflage. Wenn keine Wände oder Personen zum Langhangeln in der Nähe sind, bin ich aufgeflogen. Meine Eltern können es nicht mit ansehen und besorgen mir Krücken aus dem Keller

Ich bin so unendlich dankbar für meine tolle Familie, ganz besonders meine Eltern! Jeden Tag kommen sie und pflegen mich. Waschen, Anziehen, Einkaufen, Essen machen etc. nichts geht alleine. Ich bin ein Krüppel. Meine Erwartungen und Hoffnungen zerplatzen wie eine Seifenblase. Selbst einfache Dinge des Alltags überfordern mich, einfach Bewegungen gehen einfach nicht. Und diese Schmerzen, die alles beherrschen und einen zermürben. Medikamente, die nicht gut helfen und mit den krassen Nebenwirkungen für noch mehr Unwohlsein sorgen. Man möchte sich etwas abhacken, aus dem Fenster springen, damit es aufhört oder am liebsten einfach davon laufen. Doch man kann nichts tun und ist ausgeliefert. Man kann nur die Zähne zusammenbeißen, durchhalten und kämpfen.

Nach einem Monat geht es dann in die Reha und ich schöpfe etwas Hoffnung, da muss es ja nun endlich aufwärts gehen. Meine Ziele sind klar: gerade und ohne Krücken mit lebendigem und bewegungsfähigem Bein und Fuß und möglichst ohne Schmerzen, zumindest im Vor –OP-Zustand, die Klinik verlassen.

In der Reha.

In der Reha.

Doch wie immer stellt man es sich anders vor als es ist und mein Glück hängt am seidenen Faden. Anfangs will man mich fast als nicht Reha fähig nach Hause schicken. Mit Krücken stehen, gehen, zu den Programmpunkten kommen und diese irgendwie unter Schmerzen zu schaffen, ist nervenaufreibend und benötigt alle Kraft. Weisheiten wie „Nicht gegen den Schmerz arbeiten.“ kann ich nur ignorieren, sonst würde ich gar nichts machen und es nie voran gehen.

Ganz langsam geht es aufwärts. Kann ich am Anfang nicht mal den Warmhalteteller vom Tablett heben oder mein linkes Bein anheben, klappt dies irgendwann einigermaßen. Ich bin zwar noch schief und schräg, aber schon gerader als vorher. Leistungswille alleine reiche nicht, ich solle meine Erwartungen herunterschrauben heißt es immer wieder. Ich würde halt schon auf einem ganz anderen, niedrigeren Niveau als andere einsteigen. Ja, sage ich, aber bin doch immer noch zu optimistisch, ankommen tut es erst langsam nach und nach. Immer wieder sind selbst meine heruntergeschraubten Erwartungen zu hoch und Hoffnungen werden enttäuscht. Es fließen viele Tränen und ich verliere auch immer mal wieder die Zuversicht.

Doch ich rappele mich immer wieder auf. Es muss ja irgendwie weitergehen und es gibt doch so viel schlimmere Dinge.

Nach 3 Wochen schaffe ich es körperlich auch mal kurz herunter in die Cafeteria. Ausnahmsweise soll es Musik als Abendprogramm geben. Mich erwartet grausame Keyboardmusik. Viele flüchten sofort, doch ich bleibe und erlebe meinen lustigsten Reha-Abend und lerne tolle Leute kennen. Die soziale Isolation ist durchbrochen.

Ich verlasse die Reha nach 6 Wochen in einem besseren, aber noch nicht gesunden Zustand, auf Krücken, mit einer Gruppe von Verrückten im Herzen und einem selbstgemachten Steindrachen, Korb, Seidentuch und einer Collage.

Es ist noch ein weiter Weg, aber ich habe schon so viel geschafft und erreicht und werde durchhalten und weitermachen.

Auch wenn meine Pumps momentan erst mal hinten im Schrank bleiben müssen: mein Schuhbaby ist und bleibt mein Leben, auch wenn nun alles etwas schwieriger ist und länger dauert als geplant. Die neue Ware ist auf jeden Fall bestellt und trudelt im März ein 🙂

Manchmal geht es eben nur in Gänsefüßchen und nicht in Siebenmeilenstiefeln voran 😉

Ich bin auf jeden Fall sehr dankbar für die Freunde und Bekannten und meine tolle Familie, die immer für mich da sind und für all die schönen Dinge, die mir 2015 widerfahren sind!

2015 hatte auch so viele schöne Momente :)

2015 hatte auch so viele schöne Momente 🙂

Denn dieses Jahr sind auch so viele schöne Dinge passiert: ich konnte so viele nette Frauen und Männer mit meinen grossartigen Schuhen glücklich machen und habe so viele schöne Gespräche mit ihnen geführt, ich bin in eine neue, tolle Wohnung umgezogen, ich hatte auf der Curves and Confidence Tour mit Kurvenrausch und Shace und vielen tollen Powerfrauen einen gelungenen Tag inklusive toller Bilder, ich konnte meine Freundin Maria in Barcelona besuchen und die Stadt unsicher machen und bei den Fuentes Magicos in andere Welten eintauchen, ich hatte tolle Dates mit Picknick und Co, ich habe am Strand in Düsseldorf die Nacht zum Tag gemacht und glücklich getanzt, ich durfte auf der GDS Schuhmesse nach den tollsten neuen Schuhmodellen für nächste Saison schauen und am Fashion Blogger Cafe teilnehmen, wo ich riesigen Spaß hatte und viele tolle Mädels kennen gelernt habe, ich war auf der Fräulein Kurvig Gala im Resonazwerk in Oberhausen und hatte dort einen fantastischen Abend mit lauter tollen kurvigen Frauen, die man einfach in sein Herz schließen muss, ich durfte Prominente wie Käthe Köstlich, Benjamin Boyce oder Oliver Beerhenke kennen lernen, ich habe mich für meinen kleinen Kinospot in Cinderella verwandelt und mein erstes kleines, spontanes Youtube Video anlässlich meines Jubiläums gedreht, ich habe an einem Gründerwettbewerb inklusive Pitch auf der Bühne teilgenommen, ich durfte Vorträge zum Thema Social Media halten, ich habe mit den Wirtschaftsjunioren Goldene Zeiten in Dortmund erlebt und die Schönen Aussichten in Köln genossen und ich habe 2015 einfach insgesamt so viele neue nette Leute kennen und schätzen gelernt.

:)

2016, ich bin bereit, die Stockente wird fliegen lernen!

Ich wünsche euch allen ein tolles neues Jahr voller Gesundheit, schöner Momente, Freude und Erfolg! 🙂

10 comments on “Von Stockenten und schrägen Vögeln oder wie ich 2016 meine Flügel wieder ausbreiten werde
  1. Liebe Sarah, so toll und berührend geschrieben! Obwohl ich Dich erst einmal persönlich gesehen habe, mag ich Dich sehr! 🌞 Ich freue mich darauf, die Stockente bald fliegen zu sehen. Alle guten Wünsche und viele liebe Grüße von Barbara aus Wierthe! 🌞

  2. Oh, Sarah, das klingt aber alles nicht gut! Das hab ich gar nicht so mitbekommen, wie schlecht es Dir ging.
    Aber dass es voran geht, das ist wichtig. Und dass Du nach vorne schaust. Sehr gut!
    Und wie immer wird es so wein, dass Du im Rückblick Dinge sehen wirst, wofür das alles gut war.
    ich drück Dir die Daumen, dass Du schnell wieder fit wirst! Aber nimm Dir die Zeit, die Dein Körper benötigt. Auch wenn das die größet Herausforderung ist.
    Ich wünsche Dir ein wunderbares, gesundes und erfolgreiches 2016!
    Viele liebe Grüße aus Dortmund!
    Maike

  3. Jetzt weiß ich auch, was geschehen ist und es tut mir so leid. Ein sehr bewegender Text, den ich da grad über Dich gelesen habe. Wünsche Dir viel Kraft und Mut – Du schaffst das!
    Ganz viel Glück für Dich im neuen Jahr 🍀🍀🍀🍀🍀🍀🍀🍀🍀🍀🍀

  4. Das hast Du toll geschrieben und ich habe mit Dir gefühlt. Du bist sehr tapfer!!!
    Ich drücke Dir ganz dolle die Daumen, dass alles schneller als Du denkst besser wird!
    Viel Glück für 2016!!!

  5. Liebe Sarah, dass es so schlimm um Dich stand, ist auch an mir vorbei gegangen. Gerade habe ich Dich noch fit auf dem Twittwoch in Dortmund erlebt, da lese ich diesen Post. So kommt es mir zumindest vor. Ich wünsche Dir alles Gute und dass Du schnell wieder gesund und fit wirst.

  6. Liebe Sarah, ich wünsche dir baldige Besserung und viel Kraft und Durchhaltevermögen! Damit wir auf der nächsten WJ-Konferenz wieder zusammen feiern können 🙂 Liebe Grüße aus Berlin, Vicky

  7. Liebe Sarah, zwar hatte ich über deinen fb-account mitbekommen, dass es dir nicht so gut geht, aber erst als mir dieser Artikel ins Auge fiel und ich mal reingeklickt habe, wird mir das ganze Ausmaß bewusst. Da haben wir doch gerade noch auf der Buko in Dortmund Goldene Zeiten gehabt – auf der Rückfahrt im Bus am Freitag und natürlich auf der Gala – da erwischt es dich so eiskalt. Ich drücke dir alle Daumen, dass es schnell wieder aufwärts geht und lass dir bloss nicht einreden, dich mit weniger als deinem Ziel zufrieden zu geben. Du wirst wieder ohne Schmerzen gerade aufgerichtet gehen!! Sicher !! Du schaffst das!! Aus dem schrägen Vogel wird wieder ein Schwan. Ich hoffe, wir sehen uns zum Tanzen auf der Buko in Freiburg oder nächstes Jahr auf der Buko in Köln 🙂 Lg Claudia

    • Ich danke euch, ihr Lieben! Da ja alles nicht so wie gedacht gelaufen ist, brauche ich noch etwas länger zum Erschwanen^^ Aber ich gebe wie immer alles. Ob Twittwoch, Barsession, WJ Konferenz o.ä. – ich freue mich, wenn ich endlich wieder dabei sein kann und wir uns wiedersehen 🙂

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