Älter werden…

Tic, toc, die Uhr läuft, das Älter werden ist nicht aufzuhalten, auch nicht für große Frauen

Tic, toc, die Uhr läuft, das Älter werden ist nicht aufzuhalten

Ich werde dieses Jahr 30! Also genau der richtige Zeitpunkt, um über das Thema Alter nachzudenken. Man ist so alt wie man sich fühlt?! Oder wie war das? Na ja leicht gesagt, aber in der Realität oft anders. Ältere Frauen in peinlich kurzen Gürteln als Rock oder Kinder in sexy Outfits, das passt einfach nicht.

Siezen? Duzen?

Woran merkt man, dass man richtig erwachsen ist? Wenn man auf einmal von Jugendlichen und Kindern draußen gesiezt wird. Am Anfang seltsam und eher einem Affront nahekommend, ertappe ich mich jetzt sogar manchmal – je nach Situation – bei dem Gedanken „Wie unhöflich!“, wenn mich ein vorlauter Teenager einfach duzt. Dabei bin ich von Natur aus eher der Duzer – allein schon durch das Internet und die ganzen Social Media, da ist das oft üblich.

Ich finde sowieso, dass man sich je nach Situation auch unterschiedlich alt fühlen kann. Es kommt halt immer auf die Leute und die Umgebung an. Seit ich selbständig bin, ist es mit dem „nicht-so-erwachsen-fühlen“ schlagartig vorbei. Bei mir ist es das Schuhbaby, bei anderen das richtige Baby. Plötzlich hat man Verantwortung, die man zuvor in dieser Schlagkraft nicht hatte. Dennoch kommt der „Ach, ich bin doch noch gar nicht so alt“-Gedanke immer mal wieder kurz zum Vorschein. Wenn ich mit meinen jüngeren – oft noch Studenten – Freunden unterwegs bin zum Beispiel. Da gehöre ich ganz normal dazu und bin für einen Augenblick wieder ein bisschen zurückgesetzt in alte Zeiten. Das man das überhaupt schon so sagen kann. „Alte Zeiten…“

Früher war das mit dem Alter eh noch etwas ganz anderes. Da freut man sich und ist stolz auf jedes Jahr, das man älter wird. Wenn man dann aus den Wachstums- und Entwicklungsjahren raus ist, denkt man sich „Waaas? Schon wieder ein Jahr um?“. Panik.

Wie schnell die Zeit vergeht…

Als kleines Kind wollte ich den Erwachsenen nie glauben, dass die Zeit später schneller vorbeizugehen scheint. Aber sie hatten Recht, von Jahr zu Jahr geht die Zeit gefühlt schneller um. Klar, Kinder erleben viel intensiver, lernen noch viel und entwickeln sich – da kommt einem alles langsamer vor. Wir dagegen nehmen so viel auf einmal wahr und denken in ganz anderen Zeiteinheiten. Manchmal sollte man sich vielleicht doch noch einmal ein Beispiel an den Kindern nehmen, entschleunigen, Zeit anders wahrnehmen und einfach mal einen Tag die Käfer beobachten oder so. Könnte mir auch nicht schaden.

Wir Selbständigen haben ja in der Regel eines nicht: Zeit. Und trotzdem jede Menge zu tun und Termine über Termine. Und weil es noch nicht genug ist, nimmt man sich noch ein paar Projekte dazu. Wie zum Beispiel Blogbeiträge zu schreiben. Hihi, verrückt. Statt Käfer zu beobachten, könnte ich vielleicht auch einfach mal wieder ein bisschen drauflos malen. Das macht mir nämlich auch Spaß, schon immer. Auch als ich jünger war.

Ach, jaaa. Damals, als man als großes Mädchen einfach immer für älter und verantwortungsbewusster als gleichaltrige, kleinere gehalten und auch so behandelt wurde. Als man als Kleinkind von Erwachsenen diskriminiert und blöd angemacht worden ist. Weil man noch auf Mamas Arm war oder einen Schnuller im Mund hatte. Als man bei Spielen bei Stadt-, Kirchen-
und Siedlungsfesten von Erwachsenen angemeckert und des Lügens bezichtigt wurde, weil man angeblich schon älter war und deswegen verschärftere Regeln gelten würden. Als man beim Kindergartenfest als Einzige nicht im Zirkuskarussell aus kleinen Schubkarren mitfahren durfte, weil man schon zu groß sei. Als Leistungen und Vernunft immer erwartet und als selbstverständlich angesehen worden sind und man im Gegensatz zu den Kleineren nicht dauernd gelobt worden ist. Als die Kleineren aufgrund des Niedlichkeitsfaktors bevorzugt und teilweise für gleiche Leistungen besser benotet worden sind. Klein und niedlich, das ist wie bei Katzenbabies oder Hundewelpen. Das weckt den Beschützer- und Helferinstinkt.

Mit zwölf wurde ich schon gesiezt

Es wird automatisch versucht, es den Kleinen einfacher zu machen und sie zu bestärken. Die Größeren, die eh schon durch ihre Andersartigkeit aus der Masse stechen, könnten das aber auch mal ganz gut gebrauchen. Zumal diese doch in der Regel vor allem im Jugendalter bedeutend zurückhaltender und sanfter sind – ich wurde ja mal als Schaf im Wolfspelz bezeichnet. Und bin oft wegen meiner zurückhaltenden Art (man denkt ja, als Große sticht man eh immer so hervor, ob man es will oder nicht) eher übersehen worden.

Die Kleinen dagegen drängen sich manchmal gerne in den Mittelpunkt, damit sie eben nicht übersehen werden. Das ist ein bisschen wie bei den kleinen, wild bellenden Hunden. Aber es gab natürlich auch lustige Seiten: Als ich mit zwölf im Restaurant gesiezt wurde und mir ein Schnaps nach dem Essen angeboten wurde und sich mein älterer Bruder “Und du? Willst du einen Lutscher?“ anhören durfte. Ich lache noch heute darüber. Damals, als man einfach nie nach einem Ausweis gefragt worden ist. Nirgendwo. Während kleinere Mädchen es oft hassten, mit 18 noch ausgepickt und nach dem Ausweis gefragt zu werden, fand ich das ganz witzig. Underage-Stempel gab es für mich nicht.

Als ich Anfang oder Mitte zwanzig war, kam dann der plötzliche Umschwung. Auf einmal hielten mich alle für jünger! Crazy. Kannte ich so gar nicht. Und ich musste das allererste Mal meinen Ausweis in einer Bar zeigen – für ein Bier! Ich habe mich kaputt gelacht. Und so ging es weiter. Meistens hält man mich für Mitte zwanzig. Bei Businesstreffen ist das eher
andersherum – die meisten gehen nicht davon aus, dass man sich so jung schon selbständig macht. Im Schnitt bin ich dann also wieder so alt, wie ich wirklich bin. Prima, dann passt es doch!

Ich finde es aber teilweise auch schwierig, das Alter abzuschätzen. Je nach Sonnenbank- und/oder Schminkstand und Umgebung kann man sich da schon einmal vertun. Und wenn ältere Menschen versuchen einen auf „jung“ zu machen, geht das oft eher nach hinten los. Ich halte auch nichts von diesem Jungend- und Schönheitswahn. Schrecklich, wenn diese operierten Gesichter alle ähnlich gruselig verzerrt und ohne richtige Mimik sind. Ich finde ja Lachfältchen bei vielen ganz bezaubernd. Das gibt dem Gesicht so einen sympathischen Ausdruck. Falten zeigen einfach wer wir sind und was wir erlebt
haben. Und ich sage ja auch immer „Lieber alt werden, als früh sterben“. Veränderungen gehören da nun einmal dazu.

…aaah, ich muss mal eben in die Drogerie flitzen! Ich habe eben eine neue, krasse „bald-bist-du-30-Falte“ entdeckt… Vielleicht sollte ich so eine Hy-aal-o-glatt-Creme oder wie die heißen doch mal ausprobieren! 😉

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.